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05.10.2020

Wohnmobilreise in die Schweiz

Urlaub im Corona-Jahr. Wie alternative Pläne zu einem unvergesslichen und höchst unerwarteten Abenteuer führen.

Der Sommer 2020 wird vielen als einer in Erinnerung bleiben, der nicht nach dem 6 Monate zuvor erstellten Plan verlief. Das Coronavirus beeinträchtigte auch unsere Urlaubspläne, welche uns eigentlich zu den Naturparks in Kanada führen sollte. Von Vancouver nach Calgary, Bären beobachten, die blauesten Seen der Welt und weitere Naturphänomene finden. Das Virus machte die Pläne völlig zunichte und so entschieden wir uns für eine Reise in die Schweiz mit einem Wohnmobil, dem Adria Compact DL. Diese Alternative liess uns Kanada bald vergessen.

 

Nachdem die Entscheidung getroffen war, begannen wir mit der detaillierten Planung unserer Reise. So, wie wir es als echte "Flugzeug- und Autourlauber" gewohnt sind. Inklusive interessanter Zwischenstopps und Übernachtungen. Nicht ganz so, wie es der erfahrene Reisemobilist tun würde, aber immerhin. Trotz der Planung war doch vieles unsicher. Wie viele Stopps können wir in 2 Wochen machen? Wie viele km wollen wir pro Tag fahren? Wo können wir übernachten? Warum kann ich auf diesem Campingplatz keine Reservierung vornehmen?

Diese "Planen" loszulassen, war etwas gewöhnungsbedürftig. Zumal einige Dinge nicht geändert werden konnten; eine ganze Reihe von Schweizer Höhepunkten mussten einfach besucht werden. Auch wenn die Schweiz nicht als sehr freundliches Reisemobil-Land bekannt ist, haben wir darauf gesetzt und uns auf den Weg in den Süden gemacht.

Als Wohnmobil-Debütanten gönnten wir uns etwas Zeit, um uns an diese Art des Reisens zu gewöhnen, und machten 2 Stopps in Luxemburg und Frankreich. Campen erfordert etwas mehr als das Einchecken im Hotel: nach einem Platz fragen, den Platz finden, das Fahrzeug nivellieren, den Strom anschließen. Und was ist mit dem Leeren der Toiletten und dem Sicherstellen, dass es genügend Frischwasser und nicht zu viel Grauwasser gibt (die Sprache des Campens haben wir bald gelernt). In den französischen Vogesen haben wir unseren ersten Wohnmobilstellplatz kennengelernt. Die eingefleischten Wohnmobilfans waren ein wenig überrascht, als am frühen Nachmittag ein Adria Compact zum Stellplatz fuhr, mit Reisende unter 30 jährig. Wir kamen gerade rechtzeitig, um den letzten Platz auf diesem beliebten Camping in Plainfaing einzunehmen.

 

Aber wie gesagt, dies war nicht unser endgültiges Ziel. Am nächsten Morgen um 8 Uhr nahmen wir Kurs auf die Schweiz. Sowohl mit vollen als auch mit leeren Tanks drehten wir den Schlüssel um und fuhren zu unserem ersten "must see"-Standort: Lauterbrunnen. Ein kleines beliebtes Dorf im Berner Oberland, nahe der Alpen. Dieses Tal ist bekannt für seine 72 Wasserfälle, die steile Felswänden entlang hinunterstürzen, auch mitten im Sommer.

Wir versuchten wirklich, einen Platz für eine Nacht auf einem der vielen Campingplätze in diesem Tal zu bekommen, aber trotz (oder wegen) Corona waren viele Campingplätze voll. Leider war es nicht möglich, länger als 1 Nacht an diesem atemberaubenden Ort zu bleiben. Also fuhren wir, unserer vollsten Zufriedenheit auf den Campingplatz Rütti, unterhalb eines der zahlreichen Wasserfälle. Unseren Platz geniessen mussten wir morgens und abends, zuerst wollten wir die Umgebung sehen. Nachdem wir den richtigen schweizerischen Stromadapter gefunden hatten, erkundeten wir nach dem Mittagessen die Gegend. Genug Zeit, um die vielen Wasserfallplätze auf unserer Liste aufzusuchen.

Dieses Gebiet bettelte geradezu um weitere Erkundungen, aber leider hatte Lauterbrunnen in den nächsten Tagen keinen Platz für uns. Da es in der Jungfrauregion viele Alternativen gab, riefen wir den Campingplatz Eigernordwand in Grindelwald an, der eine halbe Stunde entfernt liegt. Eine Reservierung kam nicht in Frage, aber wenn wir am nächsten Tag pünktlich ankommen würden, glaubte man, dass es in Ordnung wäre. Und das taten wir auch. Wir schafften es, am nächsten Tag einen Platz auf der anderen Seite der Eigerwand zu ergattern und hatten genug Zeit, uns auf ein anderes Abenteuer einzulassen.

Nach 2 Nächten mit schweren Gewittern beschlossen wir, unsere bisherige Reise auszuwerten. Später in dieser Woche planten wir eine Reise zu DEM Symbol der Schweiz: dem Matterhorn. Die Wanderung um diesen Giganten beginnt in einer Höhe von 3.000 Metern, und das macht man am liebsten bei klarem, blauem Himmel. Und das war ein kritischer Punkt, da das Wetter für den Rest der Woche instabil bleiben würde. Zeit, die Pläne zu ändern: Freitag wäre der perfekte Tag für das Matterhorn. Also mussten wir unseren Kurs ändern. Hip hip Hurra für die flexible Art des Reisens mit dem Wohnmobil. Wir beschlossen, das nächste Tal in Kandersteg zu besuchen. Hier fährt jedes Jahr ein Autozug mit vielen Motorrädern, Autos und Lastwagen durch den Lötschbergtunnel in den Süden der Schweiz. Nach einem Aufenthalt auf dem Campingplatz Rendez-Vous und einem Besuch am klaren blauen Öschinensee war eine Fahrt mit diesem Autozug auch unsere nächste Aktivität. Zuerst waren wir etwas unruhig; können wir als Debütanten dieses ziemlich breite und hohe Fahrzeug sicher und unbeschädigt auf und von diesem schmalen Zugwaggon (es handelt sich schließlich nicht um ein normales Auto.) fahren? Ja, das können wir! Kein Problem. Und 20 Minuten später waren wir am Fusse des Wallis, der Schweizer Region unseres Zielortes, dem Matterhorn.

Die Wettervorhersage stimmte: Der Freitag war sonnig bei strahlend blauem Himmel. Die Gornergratbahn brachte uns auf 3.135 Meter, von wo aus wir unsere Wanderung zurück nach Zermatt begannen. Ohne Zweifel, buchstäblich unser absoluter Höhepunkt dieser Reise!

Nach einer guten Woche mit rund 60 Schweizer Wanderkilometern hinter uns war es Zeit zum Ausruhen. Wir machten einen Abstecher nach Italien, wo wir 3 Tage lang den Lago di Maggiore genossen. Die Auswirkungen von Corona waren deutlich zu sehen: Camping Village Conca D'Oro verwöhnte uns mit einem Platz direkt am Wasser auf dem fast leeren Campingplatz.  

Wir tankten alle unsere Batterien auf 😊 und begannen, über unsere Rückreise nachzudenken. Noch immer taten wir nicht alles, was wir vor unserer Abreise geplant hatten: zum Beispiel zum Mont Blanc und in die französischen Alpen fahren. Diese Ambitionen würden auf eine nächste Reise warten müssen.

Wir folgten den Schweizer Straßen nach Deutschland und forderten den Adria ein wenig heraus. Nach 10 Tagen betrachteten wir uns nicht mehr als Debütanten, also war es Zeit für ein paar schöne Bergstraßen. Wir fuhren über den Simplonpass und den Grimselpass. Das Fiat-Automatikgetriebe hat einen hervorragenden Job gemacht. Wunderschöne Sehenswürdigkeiten als Bonus für diese Reise.  

Nach dem letzten Stopp in der Schweiz besuchten wir den deutschen Schwarzwald und wählten den Rückweg in die Niederlande.

Nach über 2.000 km wieder zu Hause. Wir haben uns gut geschlagen, zum ersten Mal als Reisemobilisten, wenn wir das selbst so sagen dürfen. Was waren unsere ursprünglichen Pläne für diesen Urlaub? Wer hat etwas über Kanada gesagt? Dieses Abenteuer war absolut großartig, und wir sind bereit, all die Orte, die wir in diesem Jahr nicht erreicht haben, bei einer nächsten Wohnmobilreise zu besuchen.